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Treffpunkt: Samstag um 10 Uhr in Domodossola. Einige von uns sind schon am Vorabend angereist, andere treffen direkt um 9:50 ein. Diese mussten sich ab Brig einen Sitzplatz im Zug erkämpfen, denn Domodossola ist bekannt für seinen Strassenmarkt. Es wimmelt nur so von Tagestouristen, die Handtaschen, Sonnenhüte, günstige Kleider oder Schuhe kaufen. Gut führt uns unsere Reise- und Wanderleiterin Brigitte Brehm gezielt zu unseren zwei Taxi-Minibussen und es kann sofort losgehen!
 

Die Taxifahrt bis zu Fährstation Piombino dauert gute fünf Stunden. Das Highlight für mich sind die Überquerung des hier noch jungen Po und die überfluteten Reisfelder. Von diesen haben wir bereits in der Primarschule gehört, aber es ist das erste Mal, dass ich sie in der Poebene auch als solche erkenne.

Von Piombino aus sieht man bereits die Insel, und die Fähre bringt uns auf ruhiger See speditiv nach Elba. Hier holen uns zwei neue Taxifahrer ab, die uns während der ganzen Woche sehr sicher und bequem chauffieren werden. Überhaupt ist vieles sehr bequem auf dieser Reise: das Hotel direkt am Meer mit eigenem Sandstrand, flauschigem Badetuch und reserviertem Liegestuhl, die freundliche Bedienung im Restaurant und das durchgehend gute Wetter. Alle Alltagssorgen werden uns abgenommen!

Zoom: Wanderreise Elba mit wunderbarem Hotel direkt am Meer
Zoom: Wanderreise Elba Hotel direkt am Meer mit Pool-Bereich

Die Insel Elba ist relativ klein und reizend. Es gibt weder ein grosses Gebirge noch felsige Höhen, die Wanderungen sind entsprechend technisch relativ einfach. Dennoch sind die Stöcke sehr nützlich für steile Passagen oder zum Wegdrücken von Dornenbüschen. Viele Wege sind schlecht unterhalten, und man muss jeden Fusstritt sorgfältig wählen und setzen. Aber noch viel wichtiger sind Sonnenhut und Sonnenbrille, denn richtige Wälder gibt es nur wenige und die meiste Vegetation besteht aus Macchia oder schulterhohen Sträuchern. Mit jedem Tag kommen neue Kratzer an Beinen und Armen dazu, interpunktiert von roten Mückenstichen.
 

Nach der ersten Wanderung gehen wir in Capoliveri zum Supermarkt (sonntags geöffnet!) und kaufen unser Picknick für die ganze Woche ein. Danach gibt es bei mir jeden Tag das Gleiche zu Mittag: abgepacktes Brot oder Cracker, Industriekäse, Rohschinken, Tomaten, importierte Früchte und Biskuits mit Nüssen und kandierten Früchten. Schade gibt es unterwegs keine Hofläden mit einheimischem Käse, lokalen Früchten oder dergleichen. Aber wir sehen auch nur einmal Ziegen und zählen nur eine einzige Kuh. Kann das sein, dass es auf Elba wirklich nur eine einzige Kuh gibt? Das bleibt mir ein Rätsel
Dafür muss es sehr viele Wildschweine geben, die die Wanderwege umpflügen und vielerorts grosse Löcher hinterlassen. Und das, obschon letztes Jahr offenbar 2'100 Tiere von Jägern erlegt worden sind. Vergeblich gesucht habe ich nach Mufflon Schafen, die gemäss Schilden an den Gartentoren («bitte schliessen») auch eine Plage sein können.

Zoom: Wanderreise Elba - mediterranes Ambiente
Zoom: Wanderreise Elba - schöne Tageswanderungen

Besonders interessieren mich die Dörfer oder Städtchen in der Höhe an den Hügelflanken. Wunderschöne Steinhäuser und stattliche Kirchen, mit Portalen und Treppen aus bestem Granit, Balkone geziert mit wohlriechendem Jasmin und knallroter Bougainvillea. Wieso, frage ich mich, in der Höhe wohnen, wenn man doch so einfach am Meer bleiben könnte? Die Antwort lautet, dass die Bergdörfer Ausgangsort für den Bergbau waren (vor allem Eisenerz) und ihre Lage sie vor Angriffen von Piraten und Seefahrer schützte. Und obschon ich den Einkauf lokaler Produkte vermisse, finden sich überall Cafés und Gelaterias. In dieser Hinsicht kommen wir nicht zu kurz! Wir entdecken den Affogato al Caffè, eine Mischung aus Espresso mit «ertrunkener» Vanille Glacé. Jedes Dorf bereitet diesen anders zu, aber nach einer heissen Wanderung schmeckt er immer gut.
 

Zurück im Hotel geht es schnurstracks ab ins Meer: 19’C warm oder kalt ist das Wasser. Erfrischend ist es auf jeden Fall, und auf dem Liegestuhl kann man die müden und kalten Glieder in der Abendsonne nochmals aufwärmen. Hier unterhalten wir uns über unsere Hobbies, Lieblingsrezepte und -autoren, und mir fällt so viel ein, was ich Leben alles noch machen, ausprobieren oder lesen könnte. Die Liste der Träume wird täglich länger! Danach trifft man sich zum Nachtessen. In der Menüauswahl des Hotels findet sich immer ein Gericht mit Polpo. Unglaublich, auf wie viele Arten man den Tintenfisch zubereiten kann: gekocht, püriert, als Ragout, mit Pasta, als Suppe oder Salat. Aber zum Glück gibt es in der Auswahl auch konventionellere Gerichte, an denen ich mich orientiere.

Zoom: Wanderreise Elba - im Frühling in voller Blüte
Zoom: Wanderreise Elba - gelber Ginster

Was hat mir an den Wanderungen besonders gefallen? Sicher die wunderschönen Pflanzenteppiche: gelber Ginster, weisse oder rosarote Zistrosen, wohlriechender Lavendel oder Rosmarin, und dunkelgrünes Erikakraut. Dann die interessanten Steinformationen am Meer oder in der Höhe. Und über allem die herrlichen Aussichten auf die Inseln, auf Korsika und zum Festland Italien. Ja, der Leser merkt, wir hatten optimales Wetter! Der Regenschutz kam ungenutzt wieder nach Hause. Dafür haben wir die schattengebenden Wälder vermisst; die Sonne hat uns gnadenlos herausgefordert. Auch vermisst haben wir die Orchideen, die offenbar auf Elba zahlreich wären, aber für uns verborgen blieben.
 

Danke an Brigitte Brehm für die gute Planung und sympathische Reiseleitung. Und natürlich an die Gruppe für die äusserst angenehme Begleitung, die interessanten Gespräche und den Ansporn, täglich nach der Wanderung ins kalte Meer zu springen!

Alice K., Reise-Teilnehmerin Mai 2026

Wanderreise Elba - schöne Tageswanderungen

Zoom: Wanderreise Elba - schöne Tageswanderungen