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berg-welt: «Dimitri, wie kam es dazu, dass du nach Mexiko ausgewandert bist?»

Dimitri Stalder: «Meine Auswanderung hat auch mit berg-welt zu tun. Dazu muss ich etwas ausholen:
Vor fast 20 Jahren kam ich als junger Kletterer nach Mexiko. Ein Schweizer Bergführer erzählte mir 1999 von seinem Klettergebiet in Real de Catorce im Bundestaat San Luis Potosi. Vier Jahre später stand ich unter ebendieser Felswand ohne Felix überhaupt zu kennen. Ich war fest entschlossen, Bergführer zu werden und hoch motiviert, Kletterabenteuer zu erleben. Ich verliebte mich in die Gegend, Leute und Freiheiten und kehrte fortwährend jedes Jahr zurück. Als Bergführer begann ich auch Touren in Mexiko zu leiten. Klettern, Vulkanbesteigungen, Land & Kultur etc. Später organisierte ich eine Tour exklusiv für berg-welt.

Einmal, ich war bereits Wirt auf der Tällihütte, war ich mit einer berg-welt-Tour in Mexiko und verkaufte vor Ort mein Auto an einen Freund, in der Meinung, das Thema Auswanderung sei definitiv abgeschlossen. Doch es sollte anders kommen: Ich verliebte mich am gleichen Abend in meine heutige Frau, Besitzerin des Hotel Amor y Paz, wo wir bis anhin logierten. Sie ist der Grund, warum ich 2018 ausgewandert bin.»

Zoom: Hotel Amor Y Paz
Zoom: Historisches Gebäude von Hotel Amor Y Paz

«Wie kam deine Frau zu diesem Hotel?»

«Die Geschichte des Tourismus in Real de Catorce beginnt mit dem mittlerweile verstorbenen Vater meiner Frau Melody Fernandez. Ihr Vater eröffnete das erste Hotel vor fast 50 Jahren. Auch das Hotel meiner Frau Amor y Paz hat er renoviert und eröffnet. Unser neues Hotel heisst La Tarjea und wird ebenfalls im historischen Zentrum stehen. Im vorderen Bereich befindet sich ein antikes restauriertes Gebäude, wo wir eine Galerie mit Restaurant planen. Dahinter haben wir einen Neubau mit sieben Zimmern und Garage erstellt. Im Untergeschoss befindet sich meine Schreinerei und die Metallwerkstatt.»

Zoom: Wander- und Erlebnisreise Mexiko
Zoom: Dimitris Schreinerei - Schweizer Style

«Mit welchen Herausforderungen musst du während dem Bau rechnen?»

«Bauen in Mexiko, im Speziellen in Real de Catorce ist eine große Herausforderung. Alles Material muss über 24km Kopfsteinpflaster und durch den nur 2,7m hohen Tunnel ins Dorf transportiert werden. Wir haben keinen Kran oder Hubstapler, alles wird von Hand abgeladen. Der Beton wird mit Kübeln auf das Dach hinaufgereicht. Für spezielle Materialien fahren wir drei Stunden in die Hauptstadt.
Man findet kaum gelernte Handwerker, deshalb musste ich lernen zu Schreinern, zu Schweißen, Sanitär- und Elektro-Installationen zu planen und zu installieren. Zum Glück half uns ein Schweizer Freund und Architekt mit Rat. Mein anderer bester Schweizer Freund, gelernter Schreiner, hilft mir ebenfalls mit ganz vielen Ratschlägen und seiner Erfahrung. 

Im Generellen kämpfen wir hier mit der Arbeitseinstellung und vor allem der Ausbildung der Mexikaner. Das Schweizer Modell mit der Lehre ist einfach unschlagbar!

Dafür finden in Mexiko fast keine Kontrollen statt und wir dürfen alles selber machen. Das ist Freiheit - der Preis dafür ist die ständige Improvisation...»

Zoom: Betonieren im Mexiko - Dimitri in seinem Element
Zoom: Betonieren in Mexiko

«Wo steht ihr heute?»

«Wir liegen im Zeitplan. Ende Jahr sollten wir mit den Renovationen fertig sein. Im Moment legen die Arbeiter die letzten Tonplatten im Aussenbereich, was noch 6-8 Wochen dauert. Ich stehe täglich in der Werkstatt und fertige die Türen aus Eichenholz. Dann kommen die Fenster dran. Auch die Möbel aus Holz und Eisen schweissen und fertigen wir hier. Nach unserem Interview gehe ich die Scharniere einpassen, damit ich nächste Woche die Türen verleimen kann.»

Zoom: Betonbalken erstellen in Mexiko
Zoom: Maschinenlieferung in Real de Catorce

«Warum ist Mexiko eine Reise wert?»

«An Mexiko faszinieren mich die riesigen Gegensätze der fantastischen, unterschiedlichsten Landschaften und die freundlichen, geduldigen Menschen. Besonders ans Herz gewachsen ist mir das Gebiet um Real de Catorce mit seiner kargen, klaren Kakteenlandschaft, und den vielseitigen Wandermöglichkeiten. Ein besonderer Höhepunkt ist für mich immer wieder die Vulkan-Besteigung des Nevado de Toluca. Sie bietet während der Besteigung durch seine freistehende Lage eine atemberaubende Aussicht. Das grosse Highlight bleibt für mich der Besuch der Schmetterlinge in Zitacuaro.»
 

«Lieber Dimitri, vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Geduld und Freude an deiner Arbeit in Mexiko!»

Steffisburg, März 2023

Zoom: Wander- und Erlebnisreise Mexiko
Zoom: Dimitri hat in Mexiko sein Glück gefunden